04.01.2009 - Literatur "Hass. Das Logbuch des Bernward Vesper"

Beginn: 19:30 Uhr
Eintritt: frei

Benjamin Büttner /Axel Klingenberg / Roland Kremer

mit  Hass. Das Logbuch des Bernward Vesper

„Ich hasse Deutschland. Ich hasse meinen Vater. Ich hasse alle, die mich zur Sau gemacht haben. Und irgendwo, um der Dialektik genüge zu tun, ich liebe mich – aber das sollte ja erst herausgefunden werden, oder ob es günstiger war, sich nach dieser Geschichte aufzuhängen? Ich merkte, dass dies eine gute literarische Geschichte war, an deren Ende die Szene auf der nächtlichen Straße, als der Mond über dem Golf stand und ein ‚allen unbegreiflicher, tragischer Selbstmord sich sehr gut machen würde.“

Bernward Vesper, (1938 – 1971), geboren im Landkreis Gifhorn, Lehre in Braunschweig, Sohn des Nazi-Dichters Will Vesper, hat mit dem unvollendeten Roman-Essay “Die Reise” den „Nachlass einer Generation“ geschrieben. Hier findet sich in komprimierter Form alles, was die 68er auszeichnet. 
Die Rahmenhandlung nimmt den Leser mit auf einen LSD-Trip, gleichzeitig schildert Vesper jedoch auch seine zerstörte Kindheit und seine verschwendete Jugend. Die Darlegung seiner politischen Überzeugungen machen zudem das Phänomen der Außerparlamentarischen Opposition in all ihren Facetten verständlich – auch ihrer Schattenseiten.

„Diese Stadt muss eingeebnet werden, diese Häuser, kubische Parzellen, müssen dem Erdboden gleichgemacht, der Erdboden muß den Wäldern gleichgemacht, alles muß gleich gemacht werden. Die Revolution ist die erste Voraussetzung dafür, die Häuser abzubrechen und die Gefangene zu befreien, es hat zweiunddreißig Jahre gedauert, bis ich zu der Überzeugung gelangt bin, dass  ‚kein Stein auf dem anderen’ bleiben wird, die Revolution ist gerechtfertigt, die Revolution ist kein Deckensticken. Die Massen werden siegen. Wir werden siegen. Die letzten Tage der USA sind nahe herangekommen. ‚Wir werden Menschen sein. Wir werden es sein oder wir werden die Welt dem Erdboden gleichmachen bei unserem Versuch, es zu werden.’“

 Bernward Vesper in „Die Reise“

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